Wenn man das Meer liebt, so wie ich, kann man stundenlang am Strand sitzen und einfach nur auf die Wellen schauen. Das Rauschen der Brandung, das Kreischen der Möwen, der Wind im Gesicht und vielleicht noch einen Kaffee in der Hand.
Und manchmal liegen zwischen beidem gerade einmal ein paar Minuten.
Eben noch blauer Himmel und Sonnenschein, kurz darauf ziehen die Wolken wieder übers Meer. Cornwall scheint sich gelegentlich einfach nicht entscheiden zu können. Das Meer funktioniert bei Sonne genauso gut wie unter grauen Wolken.
Wobei ich zugeben muss: Wenn die Sonne dann doch einmal durch die Wolken blitzt und diese wohlige Wärme auf der Haut hinterlässt, ist Cornwall gleich noch ein bisschen schöner. Und mit etwas Mut kann man es sogar wagen, eine Runde schwimmen zu gehen. Das Wasser ist schon kalt, aber nach einigen kräftigen Schwimmbewegungen erfrischend. Sehr erfrischend.
Meine Woche in Cornwall war keine Reise voller Sehenswürdigkeiten, Ausflüge und abgehakter Must-sees. Eigentlich war sie ziemlich unspektakulär. Und vielleicht gerade deshalb so schön.
Viel Zeit am Strand. Sand unter den Füßen, Wind in den Haaren und dieses gleichmäßige Rauschen der Wellen im Hintergrund. Mal ein bisschen Sonne, mal Wolken und zwischendurch natürlich die Frage, ob es wohl gleich regnen wird. Schließlich sind wir in England.
Meine Sprachkenntnisse bestehen hauptsächlich aus Zuhören und einigermaßen Verstehen. Beim Sprechen dagegen gehören freundliches Nicken und ein paar strategisch platzierte englische Wortbrocken zu meinen größten Talenten. Erstaunlicherweise kommt man damit ziemlich weit.
Vielleicht liegt das auch an den Menschen hier. Ich habe sie als unglaublich offen, freundlich und hilfsbereit erlebt. Selbst wenn mir die passenden Worte fehlten, hatte ich nie das Gefühl, dass das ein Problem wäre. Ein Lächeln, ein paar Worte, ein bisschen Gestikulieren – irgendwie versteht man sich dann doch.
Und dann ist da natürlich die Landschaft.
Auf dem Weg von einer Bucht zur nächsten eröffnen sich immer wieder Ausblicke, bei denen man automatisch stehen bleibt. Schroffe Küsten, grüne Hänge und darunter das Meer, das je nach Wetter irgendwo zwischen tiefem Blau, Grau und Türkis wechselt. Wege führen bergauf und wieder hinunter, hinter der nächsten Kurve wartet die nächste kleine Bucht und man möchte eigentlich ständig die Kamera herausholen.
Wobei Cornwall auch für die Verpflegung unterwegs sorgt. Am Wegesrand wachsen im Spätsommer überall Brombeeren. Dunkel, süß und direkt vom Strauch vermutlich sowieso viel besser als alles, was man im Supermarkt kaufen könnte. Wandern mit eingebauter Snackstation – gefällt mir.
Überhaupt waren es in dieser Woche weniger die großen Erlebnisse, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Es waren diese kleinen Cornwall-Momente: barfuß durch den Sand laufen. Noch einmal zum Meer schauen, obwohl man eigentlich längst weitergehen wollte. Die Sonne genießen, solange sie gerade da ist. Eine Brombeere vom Strauch pflücken. Den Wind hören. Und feststellen, dass man erstaunlich wenig braucht, um einen Tag schön zu finden.
Vielleicht muss eine Reise auch gar nicht immer daraus bestehen, möglichst viel zu sehen.
Manchmal reicht es, eine Woche lang ein bisschen langsamer zu werden.
Und sehr viel aufs Meer zu schauen.
und eine schöne Zeit zu haben.
Herzlichst Granny Marion







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