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Donnerstag, 30. April 2026

Morgenrund’ hat Gold im Mund (ob ich es heute finde)

 

Während „Dogmum“ (den Namen "Frauchen" mag sie gar nicht) den Weg zur Arbeit als einen entspannten Morgenspaziergang ansieht, um ihre ersten täglichen 2000 Schritte auf die Uhr zu bekommen, bin ich eigentlich schon im vollen Dienstmodus. Schließlich bin ich nicht nur zum Vergnügen hier – ich bin ein schwer arbeitender Bürohund und mein Arbeitsweg ist eine einzige große Tageszeitung.

Sie schlendert also, wahrscheinlich über Kaffeebohnen oder Excel-Tabellen nachdenkend, den Weg am Bach entlang. Aber ich  muss  die wirklich wichtigen Dinge klären. Ich scanne die News am Wegrand und scheuche dabei ein Paar Enten auf.

Und ich sage euch:  Der Fuchs war wieder da (ziemlich arrogant, wenn ihr mich fragt), ein Hase war in langen Sätzen unterwegs (vermutlich auf der Flucht vor dem Fuchs) und die Rehe heute Nacht schienen beim Trinken unter Zeitdruck gestanden zu haben. (Haben die eigentlich schon Junge? Denn ich muss jetzt an der Leine bleiben.)

Die Hundecommunity war schon zahlreich unterwegs und hat einige Infos da gelassen. Ich setze natürlich sofort ein paar Gegendarstellungen an unseren Lieblingsgrasbüscheln und im Gebüsch ab – Ordnung muss sein.  

Besonders anstrengend: Meine Lieblingsnachbarin war vor mir unterwegs. Sie duftet... sagen wir mal, im Moment besonders ablenkend. Aber ich bleibe Profi.

Die Tautropfen auf den Grashalmen erledigen meine Morgenwäsche im Vorbeigehen – das Bad muss bis zur Nachmittagsrunde warten. Dann geht’s ab in den „Job“. Das bedeutet: Im Büro unter dem Schreibtisch so tun, als würde ich wichtige Meetings überwachen, während ich in Wahrheit davon träume, wie ich den nervigen Bello (ich will hier keinen Namen nennen) von nebenan endlich mal zur Rede stelle.

Immer mal wieder bleibe ich stehen, die Nase im Wind, aber eigentlich gehört sie an den Boden, um alles zu erschnüffeln. So verpasse ich beinahe den atemberaubenden Blick auf das Rapsfeld. Das Gelb leuchtet fast schon magisch in der aufgehenden Sonne. Ich glaub ich hab das Gold gefunden! Findet ihr nicht auch?

 

Nun sind wir gleich da und die Vorfreude steigt auf meine wohl verdienten Schreibtisch-Snacks, nach dem lästigen Pfotenputzen. Man muss sich seine Benefits echt hart erkämpfen. Mein Arbeitsweg ist ein absolutes Highlight, wenn das Wetter so perfekt wie heute ist. Aber es gibt auch die Regentage, Sommerhitze, Herbststürme, oder eingefrorenen Pfoten. Aber das sind eigene Geschichten, die an einem anderen Tag erzählt werden.

Bis dahin – ich muss jetzt zum Meeting (also: Schlafen).

Liebe Grüße
Euer Floki

Sonntag, 26. April 2026

Stille am See

  

 
 Ich kenne viele Arten von Stille. Die peinliche Pause im Gespräch oder die Andacht in einer Kirche. Aber es gibt diesen einen Moment, der in mir nachhallt, sobald ich das Bild von damals betrachte.


Österreich, Mitte September, kurz nach Sonnenaufgang. Wir traten zwischen den Bäumen hervor und da lag er: ein See wie aus flüssigem Glas. Die Wasseroberfläche war so perfekt unbewegt, dass die Spiegelung der Berge eine endlose Tiefe vortäuschte. Obwohl ich festen Boden unter den Füßen hatte, schoss mir ein Kribbeln in den Magen – meine Höhenangst reagierte auf eine Illusion aus Wasser. Unvermittelt blieben wir stehen. In diesem Moment war keine peinliche Stille, kein Schweigen, das man füllen musste. Es war eine Stille, die so massiv war, dass ich kaum zu atmen wagte, um sie nicht wie eine dünne Eisschicht zu zerbrechen.“

Nebelschleier hingen über dem Wasser und verliehen der Szene etwas Mystisches. Ein Gefühl, ganz allein auf der Welt zu sein, überkam mich. Minutenlang standen wir einfach nur da und ließen diesen Anblick auf uns wirken – ein Bild, das sich tiefer in mein Gedächtnis grub, als es jedes Foto jemals könnte.

Plötzlich riss ein Geräusch die Luft entzwei. Ein Röhren, so tief und gewaltig, dass es im Brustkorb vibrierte. Ein Hirsch markierte irgendwo im dichten Grün sein Revier. Es war ein archaischer Laut voller Kraft und Macht – das donnernde Ende eines Augenblicks, der mir noch Jahre später Gänsehaut bereitet.

 


 

 Als wir den See später umrundet hatten, war der Zauber verflogen. Der Kiosk war auf, die Enten schnatterten um die Wette und die ersten Touristen waren da. Der Alltag hatte uns wieder.

 

Samstag, 25. April 2026

Ein Schlüsselbund zum Himmel


 
Es ist wieder die Zeit, in der Wiesen und Wegränder mit Himmelschlüsselchen übersät sind. Auf meinen täglichen Hunderunden komme ich an vielen Plätzen vorbei, verweile gern einen Moment und erfreue mich am Anblick und Duft dieser zarten Geschöpfe.
 
Sie sind meine absoluten Lieblingsblumen. Vielleicht macht es ihren besonderen Charme aus, dass sie nur so kurz blühen und sich nicht einfach im Laden kaufen lassen. Vor allem aber verbinde ich mit ihnen eine meiner schönsten Kindheitserinnerungen.
 
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob sie damals schon unter Naturschutz standen. Aus der Sicht eines Kindes gab es sie jedenfalls in unglaublicher Zahl: Der Wegrand an unserem Grundstück glich im Frühjahr förmlich einem gelben Blütenmeer.
 
Sobald die ersten Kelche erblüht waren, schlich sich die kleine Marion – schon damals eine Frühaufsteherin – sonntags leise aus dem Haus. Sie wollte ihrer Mama ein Sträußchen pflücken. Mit vom Morgentau nassen Schuhen und einer roten Nase von der kühlen Frühlingsluft, aber mit einem strahlenden Lächeln und den fest umfassten Blumen in der kleinen Faust, stürmte sie wenig später atemlos in die Küche.
Dafür wurde sie von der Mama hochgenommen, einmal im Kreis gewirbelt und fest geküsst. Die Blumen fanden in einer kleinen Vase ihren Ehrenplatz auf dem Frühstückstisch. 
Es hieß damals, die Himmelschlüsselchen würden die Tür zum Himmel aufschließen – für ein kleines Mädchen eine faszinierende Vorstellung. 
 
Das Gefühl von Stolz und Glück beim Anblick dieses selbstgepflückten Tischschmucks ist mir bis heute geblieben. Solche Erinnerungen kann uns niemand nehmen.
 
Dass die „Echte Schlüsselblume“ 2016 Blume des Jahres war und als traditionelle Heilpflanze gilt, habe ich erst viel später gelernt. Doch für mich bleiben sie vor allem eines: der goldene Schlüssel zu jenen glücklichen Sonntagmorgen meiner Kindheit.
 
Habt ihr auch so eine Blume oder einen Duft, der euch sofort in eine glückliche Zeit zurückversetzt?

Morgenrund’ hat Gold im Mund (ob ich es heute finde)

  Während „Dogmum“ (den Namen "Frauchen" mag sie gar nicht) den Weg zur Arbeit als einen entspannten Morgenspaziergang ansieht, um...