Es
ist wieder die Zeit, in der Wiesen und Wegränder mit
Himmelschlüsselchen übersät sind. Auf meinen täglichen Hunderunden komme
ich an vielen Plätzen vorbei, verweile gern einen Moment und erfreue
mich am Anblick und Duft dieser zarten Geschöpfe.
Sie
sind meine absoluten Lieblingsblumen. Vielleicht macht es ihren
besonderen Charme aus, dass sie nur so kurz blühen und sich nicht
einfach im Laden kaufen lassen. Vor allem aber verbinde ich mit ihnen
eine meiner schönsten Kindheitserinnerungen.
Ich
weiß ehrlich gesagt nicht, ob sie damals schon unter Naturschutz
standen. Aus der Sicht eines Kindes gab es sie jedenfalls in
unglaublicher Zahl: Der Wegrand an unserem Grundstück glich im Frühjahr
förmlich einem gelben Blütenmeer.
Sobald
die ersten Kelche erblüht waren, schlich sich die kleine Marion – schon
damals eine Frühaufsteherin – sonntags leise aus dem Haus. Sie wollte
ihrer Mama ein Sträußchen pflücken. Mit vom Morgentau nassen Schuhen und
einer roten Nase von der kühlen Frühlingsluft, aber mit einem
strahlenden Lächeln und den fest umfassten Blumen in der kleinen Faust,
stürmte sie wenig später atemlos in die Küche.
Dafür
wurde sie von der Mama hochgenommen, einmal im Kreis gewirbelt und fest
geküsst. Die Blumen fanden in einer kleinen Vase ihren Ehrenplatz auf
dem Frühstückstisch.
Es hieß damals, die Himmelschlüsselchen würden die
Tür zum Himmel aufschließen – für ein kleines Mädchen eine faszinierende
Vorstellung.
Das Gefühl von Stolz und Glück beim Anblick dieses
selbstgepflückten Tischschmucks ist mir bis heute geblieben. Solche
Erinnerungen kann uns niemand nehmen.
Dass
die „Echte Schlüsselblume“ 2016 Blume des Jahres war und als
traditionelle Heilpflanze gilt, habe ich erst viel später gelernt. Doch
für mich bleiben sie vor allem eines: der goldene Schlüssel zu jenen
glücklichen Sonntagmorgen meiner Kindheit.
Habt ihr auch so eine Blume oder einen Duft, der euch sofort in eine glückliche Zeit zurückversetzt?

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen