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Samstag, 25. April 2026

Ein Schlüsselbund zum Himmel


 
Es ist wieder die Zeit, in der Wiesen und Wegränder mit Himmelschlüsselchen übersät sind. Auf meinen täglichen Hunderunden komme ich an vielen Plätzen vorbei, verweile gern einen Moment und erfreue mich am Anblick und Duft dieser zarten Geschöpfe.
 
Sie sind meine absoluten Lieblingsblumen. Vielleicht macht es ihren besonderen Charme aus, dass sie nur so kurz blühen und sich nicht einfach im Laden kaufen lassen. Vor allem aber verbinde ich mit ihnen eine meiner schönsten Kindheitserinnerungen.
 
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob sie damals schon unter Naturschutz standen. Aus der Sicht eines Kindes gab es sie jedenfalls in unglaublicher Zahl: Der Wegrand an unserem Grundstück glich im Frühjahr förmlich einem gelben Blütenmeer.
 
Sobald die ersten Kelche erblüht waren, schlich sich die kleine Marion – schon damals eine Frühaufsteherin – sonntags leise aus dem Haus. Sie wollte ihrer Mama ein Sträußchen pflücken. Mit vom Morgentau nassen Schuhen und einer roten Nase von der kühlen Frühlingsluft, aber mit einem strahlenden Lächeln und den fest umfassten Blumen in der kleinen Faust, stürmte sie wenig später atemlos in die Küche.
Dafür wurde sie von der Mama hochgenommen, einmal im Kreis gewirbelt und fest geküsst. Die Blumen fanden in einer kleinen Vase ihren Ehrenplatz auf dem Frühstückstisch. 
Es hieß damals, die Himmelschlüsselchen würden die Tür zum Himmel aufschließen – für ein kleines Mädchen eine faszinierende Vorstellung. 
 
Das Gefühl von Stolz und Glück beim Anblick dieses selbstgepflückten Tischschmucks ist mir bis heute geblieben. Solche Erinnerungen kann uns niemand nehmen.
 
Dass die „Echte Schlüsselblume“ 2016 Blume des Jahres war und als traditionelle Heilpflanze gilt, habe ich erst viel später gelernt. Doch für mich bleiben sie vor allem eines: der goldene Schlüssel zu jenen glücklichen Sonntagmorgen meiner Kindheit.
 
Habt ihr auch so eine Blume oder einen Duft, der euch sofort in eine glückliche Zeit zurückversetzt?

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