Es ist verrückt, aber bei mir läuft irgendwie immer alles anders. Zum Glück war mein Sohn als Zeuge dabei, sonst könnte man mich glatt für eine Märchenerzählerin halten.
Eigentlich wollte ich nur eine kurze Bewertung für den Online-Gebrauchtwagenverkäufer schreiben. Aber nachdem ich gestern Abend mehr als eine Stunde mit meiner Freundin telefonierte, die mir tagsüber zum Autokauf gratulieren wollte und nur ein kurzes „Ich hab gerade Stress, ich melde mich heute Abend!“ serviert bekam, und sie die ganze Geschichte gehört hatte, war uns beiden klar: Diese Story gehört ungefiltert in den Zettelkasten auf meinen Blog.
Man staunt, da ich ja nicht mehr ganz so jung und knackig bin. Aber es ist tatsächlich erst das zweite Auto, das ich mir selbst ausgesucht und auch gekauft habe. Bisher habe ich meist Fahrzeuge genutzt, die mir „zur Verfügung“ gestellt wurden. Die letzten zehn Jahre war ich als „Zweitfahrer“ unterwegs und habe mir eingeredet, dass ein Auto für unseren Zweipersonenhaushalt völlig ausreicht.
Jetzt kam jedoch der Punkt, an dem ich aus verschiedensten Gründen wieder selbst mobil sein wollte. Gerade beim Älterwerden ist Mobilität sehr wichtig. Ich kenne einige Frauen, die es sich nun nicht mehr zutrauen, selbst zu fahren, weil sie viele Jahre nur Beifahrer waren.
Meine Vorstellungen waren nicht auf eine bestimmte Marke fixiert. Das Preis-Leistungs-Verhältnis musste einfach stimmen: nicht zu alt, nicht zu viele Kilometer, unfallfrei und scheckheftgepflegt. Also wühlte ich mich durch den Gebrauchtwagenmarkt – online und vor Ort. Was mir da geboten wurde, erschlug mich förmlich, aber immer gab es irgendetwas, das nicht stimmte.
Als ich es beinahe aufgegeben hatte, stand es auf einmal direkt in meinem Wohnzimmer – auf meinem Bildschirm: mein Auto. Die Angaben, mit vielen Bildern unterlegt, waren sehr informativ und aussagekräftig, sodass man sich einen sehr guten Eindruck von dem Fahrzeug machen konnte.
Da ich mich mit dem Thema Autokauf ewig nicht beschäftigt hatte, musste ich den Anbieter erst einmal googeln. Ich schaue auch nicht sehr oft fern, sonst hätte ich wohl auch schon einmal eine Werbung gesehen. Es handelt sich um einen der größten Online-Gebrauchtwagenhändler (Namen nenne ich hier natürlich nicht). Die Bewertungen: meistens gut, ein paar echt miese. Aber gut, Bewertungen sind, was sie sind. Seit ich weiß, dass man gute Rezensionen kaufen und schlechte löschen lassen kann, nehme ich sie als Information, aber nicht als Kaufentscheidung.
Also habe ich mir alles, teilweise mehrfach, durchgelesen, eine Fragenliste erstellt, eine Nacht drüber geschlafen und am nächsten Morgen die Telefonnummer des Verkaufs gewählt. Nach der inzwischen allgemein üblichen Warteschleife hatte ich einen sehr netten Verkäufer in der Leitung. Er beantwortete geduldig alle meine Fragen und konnte meine letzten Zweifel am Auto-Online-Kauf ausräumen.
So entschied ich mit einem guten Bauchgefühl und allen Informationen, die ich haben wollte, den Wagen zu nehmen. Da ich ihn aber noch nicht live gesehen hatte, sicherte ich mir die Option, das Auto vor Ort erst zu besichtigen und dann den Vertrag final zu unterschreiben. Alles super, kein Problem, Verkäufer extrem nett, Termin ausgemacht. Läuft. In den folgenden Tagen nahm die Vorfreude immer mehr zu, aber es blieben auch die Zweifel im Hinterkopf, ob ich wirklich ein Auto brauchte.
Der Tag des Kaufs in einer Filiale in der Nähe war gestern endlich gekommen. Durchaus aufgeregt bat ich meinen Sohn, den ich natürlich im Vorfeld informiert hatte – deshalb kann ich ihn hier als Zeugen benennen –, mit mir vor Ort den Autokauf abzuwickeln. Auch er hatte sich mein Auto bereits online angesehen und mir zugestimmt, dass ich eine gute Wahl getroffen hatte.
Vorab muss ich erwähnen: Zum Auto gehörte ein zusätzlicher Satz Sommerreifen. Auf dem Wagen waren Winterreifen montiert, die eigentlich noch getauscht werden sollten. Zumindest aber sollten die Sommerreifen im Auto liegen – so das Versprechen des Autoverkäufers.
Lange Rede, kurzer Sinn: Wir kamen an, das Auto stand bereit, ich war sofort verliebt. Alles war exakt wie beschrieben. Aber... weder im Kofferraum noch auf der Rücksitzbank war der zweite Reifensatz zu finden. Auf dem Auto steckten stattdessen die Winterreifen. Und hier fängt der Spaß an.
Ich erkundigte mich beim Verkaufspersonal nach den Reifen und erntete zunächst betretenes Schweigen. Zum Glück hatte ich meine Bestellbestätigung dabei, auf der auch der zweite Satz Reifen aufgeführt war.
Nach einem kurzen Moment erklärte mir die junge Frau am Tresen sehr bestimmt, ich könne das Auto heute nicht mitnehmen, weil die Räder fehlten. Sie hätte da keinerlei Handlungsspielraum. Entweder alles oder nichts! Das war doch unglaublich!
Ich geriet dezent – das ist untertrieben – in Fahrt. Wir hatten uns extra freigenommen und sollten nun unverrichteter Dinge wieder abziehen? In mir spielten Wut, Enttäuschung und absolutes Unverständnis miteinander. Am Ende zogen wir tatsächlich ab. Mit der Ansage, wir könnten in ein bis zwei Wochen wiederkommen. Ich würde telefonisch oder per E-Mail informiert, wenn das Auto inclusive Reifen wieder vor Ort wäre. Sie erklärte mir ernsthaft, das Auto würde wieder abgeholt und in der Zentrale- nicht gerade um die Ecke- würden dann die Reifen montiert und alles käme wieder retoure und könnte dann von mir abgeholt werden. Die Absurdität des Aufwands lässt den halbwegs intelligenten Menschen mit dem Kopf schütteln, aber gut. Ist dann so, ist dann so 😈!
Zu Hause angekommen, setzte ich mich sofort ans Telefon, um meinen „Verkäufer“ zu kontaktieren. Er hatte vorab betont, ich könne mich bei Problemen jederzeit an ihn wenden. Er war natürlich nicht zu erreichen. Ein Kollege fertigte mich stattdessen mit dem Satz ab: „Stornieren Sie doch einfach die Bestellung.“ Mein Einwand, dass ich dieses Auto aber haben möchte, registrierte er nicht und verwies mich genervt auf den Kundenservice. Verbinden konnte er mich angeblich auch nicht. Also hieß es: zurück in die Warteschleife.
Doch der Kundendienst überraschte mich positiv. Nachdem wir geklärt hatten, dass mein Anruf kein Scherz war – der junge Mann am Telefon wollte mir anfangs gar nicht glauben –, rief er sofort in der Filiale vor Ort an. Einige Telefonate folgten, zwischen ihm und mir, ihm und der Filiale, wieder mit mir 😅 Er entschuldigte sich mehrfach und versicherte mir, dass dies noch nie so gehandhabt worden wäre und die junge Frau offensichtlich völlig falsch reagiert hätte. Er teilte mir aber auch mit, dass der Reifensatz laut Aussage aus der Filiale im Kofferraum liegen solle.
Ich dachte, ich werde komplett veralbert, und habe ihm das auch so gesagt. Wir hatten doch extra nachgesehen! Nach einigem Hin und Her einigten wir uns darauf, dass ich das Auto jetzt abholen könne und das Thema mit dem extra Reifensatz nachträglich geklärt wird. Mir wurden diverse faire Optionen aufgezeigt, die ich alle akzeptieren konnte.
Also bat ich meinen Sohn, sich ein zweites Mal mit mir auf den Weg zu machen. Und tatsächlich: Wir bekamen das Auto mit.
Auch bei diesem zweiten Versuch gab es vor Ort noch merkwürdige Aussagen und kleinere Verwirrungen. Leider gab es auch kein Wort der Entschuldigung oder Erklärung, sondern nur eine etwas hochnäsig-freundliche junge Dame, die sich ganz offensichtlich keines Fehlers bewusst war.
Das Reifenthema steht aktuell noch aus. Vielleicht füge ich das finale Ergebnis irgendwann hier noch als Update an. Bis dahin gilt: Hauptsache, er fährt! Allzeit gute Fahrt an alle da draußen – und lasst euch nicht ins Bockshorn jagen, wenn bei euch auch mal alles irgendwie anders läuft!
Alles Liebe
Marion


Ja, da sage ich doch mal herzlichen Glückwunsch zum neuen Vehikel und allzeit gute Fahr! Gut, dass du - trotz Verweirrungen - dran geblieben bist! Ich wäre wahrscheinlich wütend vom Hof gestapft ... ;-)
AntwortenLöschenGanz lieben Dank! Wäre ich vermutlich auch, hätte ich nicht meinen Sohn dabei gehabt.
AntwortenLöschenDu liebe Güte, da wäre ich mir auch veräppelt vorgekommen... Kundenfreundlichkeit ist für einige leider echt ein Fremdwort. Aber gut, dass es mit dem Auto am Ende dann doch geklappt hat - ich drück dir die Daumen, dass sich das mit den Reifen dann auch noch gütlich klärt!
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Anne
Ich bin sehr zuversichtlich, danke dir!
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