Herzlich Willkommen

Donnerstag, 14. Mai 2026

Allzeit gute Fahrt! Ich kaufe mir ein Auto

 


Es ist verrückt, aber bei mir läuft irgendwie immer alles anders. Zum Glück war mein Sohn als Zeuge dabei, sonst könnte man mich glatt für eine Märchenerzählerin halten.
Eigentlich wollte ich nur eine kurze Bewertung für den Online-Gebrauchtwagenverkäufer schreiben. Aber nachdem ich gestern Abend mehr als eine Stunde mit meiner Freundin telefonierte, die mir tagsüber zum Autokauf gratulieren wollte und nur ein kurzes „Ich hab gerade Stress, ich melde mich heute Abend!“ serviert bekam, und sie die ganze Geschichte gehört hatte, war uns beiden klar: Diese Story gehört ungefiltert in den Zettelkasten auf meinen Blog.
Man staunt, da ich ja nicht mehr ganz so jung und knackig bin. Aber es ist tatsächlich erst das zweite Auto, das ich mir selbst ausgesucht und auch gekauft habe. Bisher habe ich meist Fahrzeuge genutzt, die mir „zur Verfügung“ gestellt wurden. Die letzten zehn Jahre war ich als „Zweitfahrer“ unterwegs und habe mir eingeredet, dass ein Auto für unseren Zweipersonenhaushalt völlig ausreicht.
Jetzt kam jedoch der Punkt, an dem ich aus verschiedensten Gründen wieder selbst mobil sein wollte. Gerade beim Älterwerden ist Mobilität sehr wichtig. Ich kenne einige Frauen, die es sich nun nicht mehr zutrauen, selbst zu fahren, weil sie viele Jahre nur Beifahrer waren.
Meine Vorstellungen waren nicht auf eine bestimmte Marke fixiert. Das Preis-Leistungs-Verhältnis musste einfach stimmen: nicht zu alt, nicht zu viele Kilometer, unfallfrei und scheckheftgepflegt. Also wühlte ich mich durch den Gebrauchtwagenmarkt – online und vor Ort. Was mir da geboten wurde, erschlug mich förmlich, aber immer gab es irgendetwas, das nicht stimmte.
Als ich es beinahe aufgegeben hatte, stand es auf einmal direkt in meinem Wohnzimmer – auf meinem Bildschirm: mein Auto. Die Angaben, mit vielen Bildern unterlegt, waren sehr informativ und aussagekräftig, sodass man sich einen sehr guten Eindruck von dem Fahrzeug machen konnte.
Da ich mich mit dem Thema Autokauf ewig nicht beschäftigt hatte, musste ich den Anbieter erst einmal googeln. Ich schaue auch nicht sehr oft fern, sonst hätte ich wohl auch schon einmal eine Werbung gesehen. Es handelt sich um einen der größten Online-Gebrauchtwagenhändler (Namen nenne ich hier natürlich nicht). Die Bewertungen: meistens gut, ein paar echt miese. Aber gut, Bewertungen sind, was sie sind. Seit ich weiß, dass man gute Rezensionen kaufen und schlechte löschen lassen kann, nehme ich sie als Information, aber nicht als Kaufentscheidung.
Also habe ich mir alles, teilweise mehrfach, durchgelesen, eine Fragenliste erstellt, eine Nacht drüber geschlafen und am nächsten Morgen die Telefonnummer des Verkaufs gewählt. Nach der inzwischen allgemein üblichen Warteschleife hatte ich einen sehr netten Verkäufer in der Leitung. Er beantwortete geduldig alle meine Fragen und konnte meine letzten Zweifel am Auto-Online-Kauf ausräumen.
So entschied ich mit einem guten Bauchgefühl und allen Informationen, die ich haben wollte, den Wagen zu nehmen. Da ich ihn aber noch nicht live gesehen hatte, sicherte ich mir die Option, das Auto vor Ort erst zu besichtigen und dann den Vertrag final zu unterschreiben. Alles super, kein Problem, Verkäufer extrem nett, Termin ausgemacht. Läuft. In den folgenden Tagen nahm die Vorfreude immer mehr zu, aber es blieben auch die Zweifel im Hinterkopf, ob ich wirklich ein Auto brauchte.
Der Tag des Kaufs in einer Filiale in der Nähe war gestern endlich gekommen. Durchaus aufgeregt bat ich meinen Sohn, den ich natürlich im Vorfeld informiert hatte – deshalb kann ich ihn hier als Zeugen benennen –, mit mir vor Ort den Autokauf abzuwickeln. Auch er hatte sich mein Auto bereits online angesehen und mir zugestimmt, dass ich eine gute Wahl getroffen hatte.
Vorab muss ich erwähnen: Zum Auto gehörte ein zusätzlicher Satz Sommerreifen. Auf dem Wagen waren Winterreifen montiert, die eigentlich noch getauscht werden sollten. Zumindest aber sollten die Sommerreifen im Auto liegen – so das Versprechen des Autoverkäufers.
Lange Rede, kurzer Sinn: Wir kamen an, das Auto stand bereit, ich war sofort verliebt. Alles war exakt wie beschrieben. Aber... weder im Kofferraum noch auf der Rücksitzbank war der zweite Reifensatz zu finden. Auf dem Auto steckten stattdessen die Winterreifen. Und hier fängt der Spaß an.
Ich erkundigte mich beim Verkaufspersonal nach den Reifen und erntete zunächst betretenes Schweigen. Zum Glück hatte ich meine Bestellbestätigung dabei, auf der auch der zweite Satz Reifen aufgeführt war.
Nach einem kurzen Moment erklärte mir die junge Frau am Tresen sehr bestimmt, ich könne das Auto heute nicht mitnehmen, weil die Räder fehlten. Sie hätte da keinerlei Handlungsspielraum. Entweder alles oder nichts! Das war doch unglaublich!
Ich geriet dezent – das ist untertrieben – in Fahrt. Wir hatten uns extra freigenommen und sollten nun unverrichteter Dinge wieder abziehen? In mir spielten Wut, Enttäuschung und absolutes Unverständnis miteinander. Am Ende zogen wir tatsächlich ab. Mit der Ansage, wir könnten in ein bis zwei Wochen wiederkommen. Ich würde telefonisch oder per E-Mail informiert, wenn das Auto inclusive Reifen wieder vor Ort wäre. Sie erklärte mir ernsthaft, das Auto würde wieder abgeholt und in der Zentrale- nicht gerade um die Ecke- würden dann die Reifen montiert und alles käme  wieder retoure und könnte dann von mir abgeholt werden. Die Absurdität des Aufwands lässt den halbwegs intelligenten Menschen mit dem Kopf schütteln, aber gut. Ist dann so, ist dann so 😈!
Zu Hause angekommen, setzte ich mich sofort ans Telefon, um meinen „Verkäufer“ zu kontaktieren. Er hatte vorab betont, ich könne mich bei Problemen jederzeit an ihn wenden. Er war natürlich nicht zu erreichen. Ein Kollege fertigte mich stattdessen mit dem Satz ab: „Stornieren Sie doch einfach die Bestellung.“ Mein Einwand, dass ich dieses Auto aber haben möchte, registrierte er nicht und verwies mich genervt auf den Kundenservice. Verbinden konnte er mich angeblich auch nicht. Also hieß es: zurück in die Warteschleife.
Doch der Kundendienst überraschte mich positiv. Nachdem wir geklärt hatten, dass mein Anruf kein Scherz war – der junge Mann am Telefon wollte mir anfangs gar nicht glauben –, rief er sofort in der Filiale vor Ort an. Einige Telefonate folgten, zwischen ihm und mir, ihm und der Filiale, wieder mit mir 😅 Er entschuldigte sich mehrfach und versicherte mir, dass dies noch nie so gehandhabt worden wäre und die junge Frau offensichtlich völlig falsch reagiert hätte. Er teilte mir aber auch mit, dass der Reifensatz laut Aussage aus der Filiale im Kofferraum liegen solle.
Ich dachte, ich werde komplett veralbert, und habe ihm das auch so gesagt. Wir hatten doch extra nachgesehen! Nach einigem Hin und Her einigten wir uns darauf, dass ich das Auto jetzt abholen könne und das Thema mit dem extra Reifensatz nachträglich geklärt wird. Mir wurden diverse faire Optionen aufgezeigt, die ich alle akzeptieren konnte.
Also bat ich meinen Sohn, sich ein zweites Mal mit mir auf den Weg zu machen. Und tatsächlich: Wir bekamen das Auto mit.
Auch bei diesem zweiten Versuch gab es vor Ort noch merkwürdige Aussagen und kleinere Verwirrungen. Leider gab es auch kein Wort der Entschuldigung oder Erklärung, sondern nur eine etwas hochnäsig-freundliche junge Dame, die sich ganz offensichtlich keines Fehlers bewusst war. 
Aber letztendlich rollte ich glücklich vom Hof.

Das Reifenthema steht aktuell noch aus. Vielleicht füge ich das finale Ergebnis irgendwann hier noch als Update an. Bis dahin gilt: Hauptsache, er fährt! Allzeit gute Fahrt an alle da draußen – und lasst euch nicht ins Bockshorn jagen, wenn bei euch auch mal alles irgendwie anders läuft!
Alles Liebe
Marion 

Sonntag, 10. Mai 2026

Neues von Floki : wir stehen jetzt spazieren!

  Hast du auch so eine „Dogmum“, die bei ihrem ersten Hund alles richtig machen möchte? Die es leider ein bisschen verlernt hat – vor lauter Videos über Hundetraining –, einfach mal im Moment zu sein, aus dem Bauch heraus zu entscheiden und das Beste aus dem Tag zu machen? Ich bin zu Beginn der Corona-Zeit bei ihr eingezogen; wenn du wissen willst, was bei uns so los ist, dann lies weiter 👀

Unsere Spaziergänge am Nachmittag sollten immer wenigstens 5 Kilometer lang sein. Zugegeben, sie hat immer schöne Runden ausgesucht: bei schlechterem Wetter über die Wiesen und am Waldrand entlang, bei Hitze erst in den Bach und dann durch den schattigen Wald. Aber es mussten für sie immer mindestens 8.000 stramme Schritte sein. Für meine Cocker-Beine bei Leinenpflicht sind das mehr als 20.000! Wenn ich dann noch frei rennen darf, mache ich fast einen Marathon.
Vor ein paar Tagen saß sie an ihrem PC – ich glaube, sie war auf Facebook unterwegs, sofern ich es von meinem Platz auf ihren Füßen aus sehen konnte. Plötzlich fing sie laut an zu lachen. Das klang ganz danach, als hätte tatsächlich wieder dieser „perfekte“ Pudel fantastische Kunststücke vorgeführt! Du weißt schon, diese Videos, in denen jede Locke sitzt, jede Pose perfekt ist und der Kerl so arrogant und selbstgefällig in die Kamera schaut, dass sich mir das Nackenfell sträubt, während er perfekte Kunststücke ausführt. Ich hab ihr mit meinem legendären Cocker-Blick tief in die Augen geschaut, um sie an die Realität zu erinnern (nämlich MICH!), aber sie hat mich nur kurz geknuddelt und auf meinen Sessel geschickt.
 
Die wahre Auflösung gab es erst ein paar Tage später. Dogmum und unsere absolute Lieblingsfreundin hatten es sich zum Frühstück gemütlich gemacht. Während die zwei es sich mit frischen Brötchen und Milchkaffee gut gehen ließen, lag ich in meiner strategisch günstigen „Krümel-Fang-Position“ unter dem Tisch. Normalerweise stelle ich meine Ohren bei Menschengesprächen auf Durchzug – es geht ja doch meistens um Dinge, die man nicht essen kann.
Doch dann fiel der Satz: „Da musste ich am PC neulich richtig laut loslachen!“ Sofort gingen meine Ohren auf Empfang.
„Ich habe endlich die Bestätigung bekommen, dass mit mir und Floki alles in Ordnung ist“, fuhr sie fort. Ich dachte mir nur: „Na, das weiß ich schon lange! Ich lese schließlich jeden Tag die Storys am Wegesrand und weiß genau, was in der Nachbarschaft so los ist.“
Aber was sie dann erzählte, veränderte unser Leben. Sie hatte ein Kurzvideo über die verschiedenen Arten von Hundespaziergängen gesehen. Und plötzlich ergab alles einen Sinn:
  1. Spazierengehen: Das war unser alter Modus. Strecke machen, stramm voran, Kilometer fressen für die Fitness-App und die Hunde-Community – der Hund muss schließlich ausgepowert werden. Sie hat schon gemerkt, dass mich das Gerenne eher gestresst hat, aber was sein muss...zieht sie durch.
  2. Spazierenstehen: MEINE Paradedisziplin! Das ist der Moment, wenn ich Minuten lang an einem einzigen Grashalm klebe und sie nicht verstehen kann, warum ich gerade von diesem Duft nicht genug bekommen kann. Dogmum dachte immer, ich trödle oder sei stur. Jetzt weiß sie: Das ist Hochleistungssport für meine Nase und mein Gehirn! Ein paar Minuten „Spazierenstehen“ machen mich viel müder und zufriedener als drei Kilometer im Stechschritt.

    3. Spazierensitzen: Einfach mal gemeinsam auf einer Bank im Wald chillen, die Vögel beobachten und die Seele (und die Schlappohren) baumeln lassen. Es darf auch mal ein Leckerli sein.
Aha! Das war also der Lacher. Es war eher ein befreiendes Lachen – ein Moment, der ihr gezeigt hat: Es ist okay, wie es bei uns läuft. Das ist ja ein Ding! Aber ich muss sagen, seitdem lässt sie mir viel mehr Zeit beim Gassi gehen und das ist echt super. Da darf sie gern einmal über uns lachen. Und ich bemühe mich wirklich sehr, mich zu benehmen, wenn es erforderlich ist. Das klappt natürlich nicht immer, aber immer öfter, und wir beide sind schon ein cooles Team.
 
 
 
 
Danke an den Facebook-Video-Macher! Du hast uns beide richtig glücklich gemacht. Wir spazieren jetzt nicht mehr nur – wir stehen, sitzen und genießen. Wir sind jetzt oft viel länger unterwegs und sie lässt auch mal die Seele baumeln. Ich kann euch sagen: Es fühlt sich so gut an, danach müde, aber glücklich auf dem Lieblingssessel zu chillen.


Ich kann nur hoffen Dogmum findet noch ein paar mehr so tolle Videos für uns Beide
Pfotenklatscher,
Euer Floki 🐾

Mittwoch, 6. Mai 2026

Kuba: von Kindheitsträumen und festem Boden unter den Füßen


Geboren und aufgewachsen in der DDR (ich sag heute meinen Kindern immer gern: „in einem Land, das es nicht mehr gibt“), im wunderschönen Eichsfeld, mit der innerdeutschen Grenze vor Augen, die für uns unüberwindbar schien, war Ernesto „Che“ 
Guevara ein Ausdruck von Freiheit und Rebellion. Geduldet von der Regierung – vermutlich, weil er ja neben Fidel Castro einer der Helden der Revolution in Kuba war –, prangte sein Abbild auf so mancher Jeansjacke der Jugend unseres „sozialistischen Vaterlandes“.

Die Bilder der Sklaven, die unter der glühenden Sonne auf Zuckerrohr- und Tabakfeldern schuften, dann die Revolution und das Leben in Freiheit, bekamen wir in der Schule förmlich mit der Milch in der Frühstückspause einverleibt. Kuba wurde für mich zu einer Vorstellung von Abenteuer, Sonne, Palmen, endlosen Stränden und blauem Meer. Bücher wie „Camilo“ von Ludwig Renn prägten mein Bild von den Bärtigen in der Sierra Maestra. Dem konnten auch die grünen und etwas strohigen Kuba-Orangen, die es im Konsum gab, keinen Abbruch tun.

Kuba war dieses Fernweh-Ziel, das unendlich weit entfernt und unerreichbar schien. Schon damals entstand dieser leise Wunsch: Das will ich irgendwann mal mit eigenen Augen sehen. Es sollten viele Jahre und eine bewegende deutsche Geschichte ins Land gehen bis ich 2016 endlich aufgebrochen bin.

Ich wollte das Kuba meiner Fantasie, und ich habe es erlebt.


Während meines Urlaubs habe ich so unendlich vieles gesehen, dass ich es jetzt – nach zehn Jahren – nicht mehr im Detail beschreiben kann. Ich habe eine Herzlichkeit erlebt, eine Dankbarkeit, ich habe die Schaukelstühle auf den Veranden vor den Häusern gesehen, die ich mir so bildhaft vorgestellt habe. Ich habe die Musiker unverkennbare kubanische Musik spielen hören, während ich in einer lauen Nacht tanzende Menschen zusah und mich im Takt der Musik bewegte. Ich bekam ein Gefühl von Herzenswärme und Melancholie gepaart mit Lebendigkeit und Lebensfreude und eine tiefe Dankbarkeit an diesem Abend in dieser Stadt zu sein und genau die Szene zu erleben, die ich bisher nur in Romanen gelesen hatte. Aber ich habe auch von den Schwierigkeiten gehört, von der Armut und von der Hoffnung. Die Aufbruchstimmung, die 2016 vielerorts zu spüren war, in eine bessere und modernere Zeit führen würde. Damals war Obama US-Präsident und es war ein Weg der Annäherung und Unterstützung eingeschlagen worden.


Ich habe die unglaubliche Aussicht in Viñales genossen, eine Tabakplantage besucht, eine Kaffeerösterei und einiges mehr. Aber eine Geschichte möchte ich diesem Post nicht vorenthalten: In einem Taxi (oder auch zweien) von Pinar del Río nach Varadero.

Die Koffer waren mit Stricken auf dem Dach festgezurrt, wir saßen zu sechst in diesem unglaublichen Fahrzeug, das man von Bildern kennt, die aber der Wahrheit oft nicht standhalten. Es war keines dieser aufpolierten Protzwagen, die man in Havanna sieht. Ich denke, die Fotos sagen genug... Wir saßen zu zweit vorn auf dem Beifahrersitz, was ein Glück war, denn durch die offenen Fenster schlug der Fahrtwind eher den hinteren Passagieren um die Ohren. Zum Glück (oder Pech) fuhr das Auto relativ langsam. Im Fußraum wurde es mit der Zeit so heiß, dass mir buchstäblich die Füße brannten. 


Der Fahrer sprach nur Kubanisch, wir kein Wort. Wir zuckelten etwa drei Stunden dahin, überholten einen Radfahrer und tatsächlich einen Eselkarren voll beladen mit Bananenblättern, der von einem alten Mann mit Strohhut gelenkt wurde. Hinter ihm saß eine Frau und wedelte den beiden mit einem Bananenblatt „kühle“ Luft zu. Ein Bild wie aus meinen alten Kinderbüchern – ein totales Klischee, aber dort immer noch Alltag und unglaublich, wenn man es nicht selbst gesehen hat.

Mitten auf der Autobahn hielt der Fahrer plötzlich an, fuchtelte mit den Armen, holte unsere Koffer vom Dach und sagte etwas, das ich nicht verstand. Dann zeigte er auf sich, sagte: „Havanna“ – und das mehrfach. Ein Ehepaar stieg wieder ein und er fuhr davon. Wir übrigen Fahrgäste standen etwas konfus am Straßenrand, auf der Autobahn mitten im Nirgendwo, und schauten uns ratlos an.

Tatsächlich kam kaum einen Augenblick später ein weiteres Taxi von noch schlimmerem Zustand mit bereits drei Fahrgästen. Es hielt an, schnallte unsere Koffer wieder aufs Dach, ließ uns einsteigen und fuhr weiter.


Dieser Fahrer konnte immerhin ein wenig Englisch und erklärte uns: Das andere Taxi fährt nur nach Havanna, und er bringt uns nun nach Varadero. Die weitere Fahrt dauerte ebenfalls noch mal vier Stunden. Man musste sich einstellen auf die Hitze, die Enge und das Brummen und Scheppern des alten Mobils – dann wurde es zu einem unvergessenen Erlebnis. Ein Gefühl, zurückversetzt in eine andere Zeit, mit der Sonne, dem heißen Fahrtwind, den schwitzenden Menschen. Aber wir hatten unser Schicksal angenommen, und niemand klagte oder nörgelte. Es war ein nicht zu beschreibendes, ursprüngliches Gefühl. Das ist Kuba: Nichts läuft nach Plan, aber irgendwie kamen wir nach ungefähr acht Stunden hungrig, verschwitzt und total erledigt an.

Dort am Straßenrand, zwischen Staub und gleißender Sonne, verstand ich es endlich: Das Kuba meiner Kindheitsträume gab es so nie – und doch war ich genau am richtigen Ort. Die Freiheit, die „Che“ auf den Jeansjacken versprach, fand ich nicht in politischen Idealen, sondern in der Improvisation und der unglaublichen Herzlichkeit der Menschen, die aus dem Nichts immer noch einen Weg machen.

Als wir schließlich in Varadero einrollten, vorbei an den prächtigen Fassaden und den glänzenden Oldtimern, dachte ich an Camilo und die Bärtigen aus der Sierra Maestra. Kuba ist heute ein Land der Risse – in den Mauern, in der Wirtschaft und in den Biografien. Aber zwischen den Eselkarren auf der Autobahn und der Hoffnung der Menschen in den Casas Particulares fand ich das, was kein Schulbuch vermitteln konnte: Menschen jeden Alters, die sich weigerten, trotz aller Widrigkeiten ihren Stolz und ihr Lächeln zu verlieren.

Es folgten ein paar entspannte Tage an diesem wundervollen Strand, mit manch einer Piña Colada 


Am Ende dieser Geschichte angekommen, die beim Schreiben so lebendige Bilder in mir hervorgerufen hat, muss ich mir eingestehen: Während die schönen Erinnerungen in mir sicher verwahrt sind, habe ich in den letzten zehn Jahren kaum verfolgt, was aus der Aufbruchstimmung, vor allem der jungen Menschen, aus 2016 – dem Jahr, in dem die Rolling Stones in Havanna spielten – geworden ist.

 

Die heutige Realität im Mai 2026 ist ernüchternd. Nachrichten sprechen von einer massiven Treibstoffkrise, diplomatischen Sackgassen und einem Tourismus, der fast zum Erliegen gekommen ist. Die Aufbruchstimmung von 2016 scheint in weite Ferne gerückt.

‚Wie es wohl den Menschen geht, die ich damals so voller Hoffnung und Herzlichkeit kennengelernt habe?‘, denke ich und möchte damit meine Geschichte beenden.

Alles Liebe,
Eure Marion


Donnerstag, 30. April 2026

Morgenrund’ hat Gold im Mund (ob ich es heute finde)

 

Während „Dogmum“ (den Namen "Frauchen" mag sie gar nicht) den Weg zur Arbeit als einen entspannten Morgenspaziergang ansieht, um ihre ersten täglichen 2000 Schritte auf die Uhr zu bekommen, bin ich eigentlich schon im vollen Dienstmodus. Schließlich bin ich nicht nur zum Vergnügen hier – ich bin ein schwer arbeitender Bürohund und mein Arbeitsweg ist eine einzige große Tageszeitung.

Sie schlendert also, wahrscheinlich über Kaffeebohnen oder Excel-Tabellen nachdenkend, den Weg am Bach entlang. Aber ich  muss  die wirklich wichtigen Dinge klären. Ich scanne die News am Wegrand und scheuche dabei ein Paar Enten auf.

Und ich sage euch:  Der Fuchs war wieder da (ziemlich arrogant, wenn ihr mich fragt), ein Hase war in langen Sätzen unterwegs (vermutlich auf der Flucht vor dem Fuchs) und die Rehe heute Nacht schienen beim Trinken unter Zeitdruck gestanden zu haben. (Haben die eigentlich schon Junge? Denn ich muss jetzt an der Leine bleiben.)

Die Hundecommunity war schon zahlreich unterwegs und hat einige Infos da gelassen. Ich setze natürlich sofort ein paar Gegendarstellungen an unseren Lieblingsgrasbüscheln und im Gebüsch ab – Ordnung muss sein.  

Besonders anstrengend: Meine Lieblingsnachbarin war vor mir unterwegs. Sie duftet... sagen wir mal, im Moment besonders ablenkend. Aber ich bleibe Profi.

Die Tautropfen auf den Grashalmen erledigen meine Morgenwäsche im Vorbeigehen – das Bad muss bis zur Nachmittagsrunde warten. Dann geht’s ab in den „Job“. Das bedeutet: Im Büro unter dem Schreibtisch so tun, als würde ich wichtige Meetings überwachen, während ich in Wahrheit davon träume, wie ich den nervigen Bello (ich will hier keinen Namen nennen) von nebenan endlich mal zur Rede stelle.

Immer mal wieder bleibe ich stehen, die Nase im Wind, aber eigentlich gehört sie an den Boden, um alles zu erschnüffeln. So verpasse ich beinahe den atemberaubenden Blick auf das Rapsfeld. Das Gelb leuchtet fast schon magisch in der aufgehenden Sonne. Ich glaub ich hab das Gold gefunden! Findet ihr nicht auch?

 

Nun sind wir gleich da und die Vorfreude steigt auf meine wohl verdienten Schreibtisch-Snacks, nach dem lästigen Pfotenputzen. Man muss sich seine Benefits echt hart erkämpfen. Mein Arbeitsweg ist ein absolutes Highlight, wenn das Wetter so perfekt wie heute ist. Aber es gibt auch die Regentage, Sommerhitze, Herbststürme, oder eingefrorenen Pfoten. Aber das sind eigene Geschichten, die an einem anderen Tag erzählt werden.

Bis dahin – ich muss jetzt zum Meeting (also: Schlafen).

Liebe Grüße
Euer Floki

Sonntag, 26. April 2026

Ein magischer Morgen am Offensee

 

 
 Ein magischer Morgen am Offensee
Während meines ersten Urlaubs im Salzkammergut durfte ich viele besondere und atemberaubende Orte sehen, wie man sie vielleicht nur mit jemandem entdecken kann, der dort geboren und aufgewachsen ist. Eine Aufzählung und Beschreibung würde sicher den Rahmen dieses Posts sprengen, aber meine intensivste und schönste Erinnerung möchte ich hier mit euch teilen.
Ich kannte den Offensee bisher nur aus den Erzählungen meines Lebensgefährten, bis ich an einem Sonntagmorgen im September vor nun immerhin schon acht Jahren selbst an diesem idyllischen Ort stand. Wir waren sehr früh aufgebrochen und kamen kurz nach Sonnenaufgang an. Nach einem kurzen Fußweg traten wir zwischen den Bäumen hervor und da lag er: der Offensee.
Die Wasseroberfläche war so glatt, dass die Spiegelung der Berge eine endlose Tiefe vortäuschte. Obwohl ich festen Boden unter den Füßen hatte, schoss mir dieses Kribbeln in den Magen, wie es mir aufgrund meiner Höhenangst von Seilbahnfahrten, Hängebrücken und Burgtürmen bestens bekannt ist. Unvermittelt blieben wir stehen. Der Nebel, der über einem Teil des Sees lag, und diese absolute Stille verliehen der Szene etwas Mystisches.
Ich hielt den Atem an und hatte für einen Moment das Gefühl, ganz allein auf der Welt zu sein und hier am See waren wir es auch. Wir standen minutenlang einfach nur da. Ich empfand es fast als störend, mein Handy aus der Tasche zu holen, um dieses unglaubliche Foto zu schießen. Doch ich tat es – und bin froh darüber, denn heute hängt dieses Bild gerahmt in unserem Flur. So kann ich im Vorbeigehen innehalten, wenn mich das Leben einmal wieder überrennt, und mich erinnern, dass es diese Orte der absoluten Ruhe wirklich gibt. Die Hektik um mich herum ist laut, aber diese Stille beruhigt meine Seele.
Wortlos setzten wir unseren Weg fort. Das Schweigen zwischen uns war willkommen; es war kein Verstummen, sondern ein gemeinsames Erleben. Jeder hing seinen Gedanken nach und ließ die Atmosphäre auf sich wirken. Ich kenne viele Arten von Stille – die peinliche Pause im Gespräch, betretenes Schweigen, wenn man zwei Lästerer ertappt, Schweigeminuten oder die Andacht in einer Kirche. Aber diese Augenblicke der Stille am See waren ein großes Geschenk, und ich kann sie noch immer fühlen, sobald ich das Bild betrachte.
Plötzlich riss das Röhren eines Hirsches die Luft entzwei. Vermutlich auf Brautschau, war es tief und gewaltig, verstärkt durch das umliegende Gebirge. Ich erschrak, und der Nachhall in den Bergen jagte mir eine Gänsehaut den Rücken hinunter. Es war ein seltsamer Moment, in dem die Magie der Stille zwar gebrochen, die besondere Magie dieses Ortes aber gleichzeitig erst richtig spürbar wurde.

Man kann den See sicher in einer guten Stunde umrunden, aber wir hatten alle Zeit der Welt und schlenderten mehr, als wir wanderten. Seine Erzählungen aus der Kindheit und Jugend weckten auch bei mir längst vergessen geglaubte Bilder, und so tauschten wir unsere Erinnerungen aus, während wir die Kilometer unbemerkt hinter uns ließen.

Stunden später am Ausgangspunkt angekommen, bot sich ein völlig anderes Bild: Der Nebel war verzogen. Das Schnattern von Enten und die Rufe der Blesshühner waren zu hören. Das geschäftige Klappern aus der Jausenstation erfüllte die Luft und nötigte uns förmlich, eine Jause und einen dampfenden Kaffee zu genießen. Zum Glück hatte ich vorsorglich meine Badesachen eingepackt, und so musste ich später auch noch in diesem wunderbar klaren See schwimmen. Noch immer getragen von den Erlebnissen am frühen Morgen, schwamm ich fast andächtig auf den See hinaus.
Dieser Morgen während meines ersten Besuchs im Salzkammergut war ein ganz besonderes Geschenk. Ich weiß schon jetzt, dass ich zurückkehren werde – vielleicht im Winter, um die Runde noch einmal zu gehen, wenn das Knirschen des Schnees unter meinen Füßen und das Knacken des Eises auf dem zugefrorenen See die einzigen Geräusche sind.
Doch bis dahin begleiten mich diese Momente bis nach Hause: Wenn ich morgens aufwache, genieße ich oft diese besondere Stille, bevor die Vögel vor meinem Schlafzimmerfenster aus ihrem Schlaf erwachen und lautstark den neuen Tag begrüßen und denke an den Sonntagmorgen am Offensee.
Bis bald!
Eure Marion 

Samstag, 25. April 2026

Ein Schlüsselbund zum Himmel




 
Es ist wieder die Zeit, in der Wiesen und Wegränder mit Himmelschlüsselchen übersät sind. Auf meinen täglichen Hunderunden komme ich an vielen Plätzen vorbei, verweile gern einen Moment und erfreue mich am Anblick und Duft dieser zarten Geschöpfe.
 
Sie sind meine absoluten Lieblingsblumen. Vielleicht macht es ihren besonderen Charme aus, dass sie nur so kurz blühen und sich nicht einfach im Laden kaufen lassen. Vor allem aber verbinde ich mit ihnen eine meiner schönsten Kindheitserinnerungen.
 
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob sie damals schon unter Naturschutz standen. Aus der Sicht eines Kindes gab es sie jedenfalls in unglaublicher Zahl: Der Wegrand an unserem Grundstück glich im Frühjahr förmlich einem gelben Blütenmeer.
 
Sobald die ersten Kelche erblüht waren, schlich sich die kleine Marion – schon damals eine Frühaufsteherin – sonntags leise aus dem Haus. Sie wollte ihrer Mama ein Sträußchen pflücken. Mit vom Morgentau nassen Schuhen und einer roten Nase von der kühlen Frühlingsluft, aber mit einem strahlenden Lächeln und den fest umfassten Blumen in der kleinen Faust, stürmte sie wenig später atemlos in die Küche.
Dafür wurde sie von der Mama hochgenommen, einmal im Kreis gewirbelt und fest geküsst. Die Blumen fanden in einer kleinen Vase ihren Ehrenplatz auf dem Frühstückstisch. 
Es hieß damals, die Himmelschlüsselchen würden die Tür zum Himmel aufschließen – für ein kleines Mädchen eine faszinierende Vorstellung. 
 
Das Gefühl von Stolz und Glück beim Anblick dieses selbstgepflückten Tischschmucks ist mir bis heute geblieben. Solche Erinnerungen kann uns niemand nehmen.
 
Dass die „Echte Schlüsselblume“ 2016 Blume des Jahres war und als traditionelle Heilpflanze gilt, habe ich erst viel später gelernt. Doch für mich bleiben sie vor allem eines: der goldene Schlüssel zu jenen glücklichen Sonntagmorgen meiner Kindheit.
 
 
Habt ihr auch so eine Blume oder einen Duft, der euch sofort in eine glückliche Zeit zurückversetzt?
 
 
 
kleines Update: Der Floki mag sie auch :) 


 

Wenn aus einer Geschichte ein Buch wird

Es gibt Augenblicke im Leben, die kann man auch Tage später noch nicht richtig begreifen. So geht es mir gerade. Im April habe ich diesen B...