Herzlich Willkommen

Sonntag, 17. Mai 2026

Mit Herzchen in den Augen



Neulich liege ich mal wieder herrlich faul neben Dogmum auf dem Sofa. Während sie sich durch YouTube klickt, erblickt mein halb offenes Auge plötzlich das hübscheste Mädchen der Welt. Nein, ich meine nicht die Prinzessin Charlotte, sondern die wunderschöne Cocker-Dame in ihrem Arm.„Wie sie wohl heißen mag?“ denke ich mit Herzchen in den Augen, die man zum Glück nicht sehen kann. Ich sehe Dogmum fragend an. Als hätte sie meine geheimsten Gedanken erraten, sagt sie: „Ach schau mal, die Royals haben auch einen schwarzen Cocker Spaniel. Das ist Orla.“
 Orla. Der Name klingt wie Musik in meinen Ohren. Gut, dass Dogmum so neugierig ist, denn so erfahre ich, dass er aus dem Gälischen stammt und „Goldene Prinzessin“ bedeutet. Wie passend für eine so edle Erscheinung! Aber mein Name ist ja auch nicht schlecht. Schließlich bin ich nach einem mutigen Wikinger benannt – dem legendären Schiffbauer und Entdecker.
Während auf dem Bildschirm schon längst ein Reisebericht über Schlösser und Burgen flimmert, versinke ich in Tagträumen. Ich frage mich, ob wir irgendwo in den Tiefen unseres Stammbaums gemeinsame Vorfahren haben. Schließlich ist England das Land meiner Wurzeln – die Heimat des English Cocker Spaniels, denke ich nicht ohne Stolz.
Zwar bin ich nicht unbedingt ein Jäger, der jede Waldschnepfe aufspüren würde, aber ich bin ein perfekter Schnüffler, der auch Miss Marple bestens assistieren könnte. Jede Hecke, jeder Grashalm und jeder Stein in meiner Ahnenheimat birgt sicher eine Geschichte, die erschnüffelt und erzählt werden sollte.
Wie aus dem Nichts kommen die Erinnerungen an unseren Urlaub an Englands Küste. Ich sehe die lange Fahrt vor mir – ich liebe Autofahren! Ich höre das Rumpeln und Scheppern im Autozug, der sich sicher durch den Eurotunnel schiebt, während tief über uns die Wellen des Kanals peitschen. Und dann endlich: die endlosen Spaziergänge am Meer bei Ebbe, vor allem bei Sonnenaufgang.

  

Nur das Rauschen der Wellen, das Geschrei der Möwen, die sich um einen Fisch balgen und die knirschenden Schritte von Dogmum im feuchten Kies. Ich spüre noch genau das angenehme Pieksen der Steinchen unter meinem Fell, wenn ich mich genüsslich darin wälze

Aber an das Gezeter und Gezanke der Seemöwen – daran werde ich mich wohl nie gewöhnen, egal wie viel britisches Blut in meinen Adern fließt. 


Wenn ich das nächste Mal in England bin, werde ich auf jeden Fall eine Schnüffelrunde durch den Windsor Park machen. Wer weiß, vielleicht läuft mir das süßeste Mädchen im Hundeuniversum über den Weg. 


 

Bis dahin träume ich hier auf der Couch einfach weiter – von der salzigen Meeresluft, Wikinger-Abenteuern und natürlich von einer ganz bestimmten Prinzessin in Windsor.  Aber verratet mich nicht bei den Ladys in der Nachbarschaft! Ein Charmeur wie ich hat schließlich einen Ruf zu verlieren,

 

Macht es Euch gemütlich,

Euer Floki 








 

Donnerstag, 14. Mai 2026

Allzeit gute Fahrt! Ich kaufe mir ein Auto

 


Es ist verrückt, aber bei mir läuft irgendwie immer alles anders. Zum Glück war mein Sohn als Zeuge dabei, sonst könnte man mich glatt für eine Märchenerzählerin halten.
Eigentlich wollte ich nur eine kurze Bewertung für den Online-Gebrauchtwagenverkäufer schreiben. Aber nachdem ich gestern Abend mehr als eine Stunde mit meiner Freundin telefonierte, die mir tagsüber zum Autokauf gratulieren wollte und nur ein kurzes „Ich hab gerade Stress, ich melde mich heute Abend!“ serviert bekam, und sie die ganze Geschichte gehört hatte, war uns beiden klar: Diese Story gehört ungefiltert in den Zettelkasten auf meinen Blog.
Man staunt, da ich ja nicht mehr ganz so jung und knackig bin. Aber es ist tatsächlich erst das zweite Auto, das ich mir selbst ausgesucht und auch gekauft habe. Bisher habe ich meist Fahrzeuge genutzt, die mir „zur Verfügung“ gestellt wurden. Die letzten zehn Jahre war ich als „Zweitfahrer“ unterwegs und habe mir eingeredet, dass ein Auto für unseren Zweipersonenhaushalt völlig ausreicht.
Jetzt kam jedoch der Punkt, an dem ich aus verschiedensten Gründen wieder selbst mobil sein wollte. Gerade beim Älterwerden ist Mobilität sehr wichtig. Ich kenne einige Frauen, die es sich nun nicht mehr zutrauen, selbst zu fahren, weil sie viele Jahre nur Beifahrer waren.
Meine Vorstellungen waren nicht auf eine bestimmte Marke fixiert. Das Preis-Leistungs-Verhältnis musste einfach stimmen: nicht zu alt, nicht zu viele Kilometer, unfallfrei und scheckheftgepflegt. Also wühlte ich mich durch den Gebrauchtwagenmarkt – online und vor Ort. Was mir da geboten wurde, erschlug mich förmlich, aber immer gab es irgendetwas, das nicht stimmte.
Als ich es beinahe aufgegeben hatte, stand es auf einmal direkt in meinem Wohnzimmer – auf meinem Bildschirm: mein Auto. Die Angaben, mit vielen Bildern unterlegt, waren sehr informativ und aussagekräftig, sodass man sich einen sehr guten Eindruck von dem Fahrzeug machen konnte.
Da ich mich mit dem Thema Autokauf ewig nicht beschäftigt hatte, musste ich den Anbieter erst einmal googeln. Ich schaue auch nicht sehr oft fern, sonst hätte ich wohl auch schon einmal eine Werbung gesehen. Es handelt sich um einen der größten Online-Gebrauchtwagenhändler (Namen nenne ich hier natürlich nicht). Die Bewertungen: meistens gut, ein paar echt miese. Aber gut, Bewertungen sind, was sie sind. Seit ich weiß, dass man gute Rezensionen kaufen und schlechte löschen lassen kann, nehme ich sie als Information, aber nicht als Kaufentscheidung.
Also habe ich mir alles, teilweise mehrfach, durchgelesen, eine Fragenliste erstellt, eine Nacht drüber geschlafen und am nächsten Morgen die Telefonnummer des Verkaufs gewählt. Nach der inzwischen allgemein üblichen Warteschleife hatte ich einen sehr netten Verkäufer in der Leitung. Er beantwortete geduldig alle meine Fragen und konnte meine letzten Zweifel am Auto-Online-Kauf ausräumen.
So entschied ich mit einem guten Bauchgefühl und allen Informationen, die ich haben wollte, den Wagen zu nehmen. Da ich ihn aber noch nicht live gesehen hatte, sicherte ich mir die Option, das Auto vor Ort erst zu besichtigen und dann den Vertrag final zu unterschreiben. Alles super, kein Problem, Verkäufer extrem nett, Termin ausgemacht. Läuft. In den folgenden Tagen nahm die Vorfreude immer mehr zu, aber es blieben auch die Zweifel im Hinterkopf, ob ich wirklich ein Auto brauchte.
Der Tag des Kaufs in einer Filiale in der Nähe war gestern endlich gekommen. Durchaus aufgeregt bat ich meinen Sohn, den ich natürlich im Vorfeld informiert hatte – deshalb kann ich ihn hier als Zeugen benennen –, mit mir vor Ort den Autokauf abzuwickeln. Auch er hatte sich mein Auto bereits online angesehen und mir zugestimmt, dass ich eine gute Wahl getroffen hatte.
Vorab muss ich erwähnen: Zum Auto gehörte ein zusätzlicher Satz Sommerreifen. Auf dem Wagen waren Winterreifen montiert, die eigentlich noch getauscht werden sollten. Zumindest aber sollten die Sommerreifen im Auto liegen – so das Versprechen des Autoverkäufers.
Lange Rede, kurzer Sinn: Wir kamen an, das Auto stand bereit, ich war sofort verliebt. Alles war exakt wie beschrieben. Aber... weder im Kofferraum noch auf der Rücksitzbank war der zweite Reifensatz zu finden. Auf dem Auto steckten stattdessen die Winterreifen. Und hier fängt der Spaß an.
Ich erkundigte mich beim Verkaufspersonal nach den Reifen und erntete zunächst betretenes Schweigen. Zum Glück hatte ich meine Bestellbestätigung dabei, auf der auch der zweite Satz Reifen aufgeführt war.
Nach einem kurzen Moment erklärte mir die junge Frau am Tresen sehr bestimmt, ich könne das Auto heute nicht mitnehmen, weil die Räder fehlten. Sie hätte da keinerlei Handlungsspielraum. Entweder alles oder nichts! Das war doch unglaublich!
Ich geriet dezent – das ist untertrieben – in Fahrt. Wir hatten uns extra freigenommen und sollten nun unverrichteter Dinge wieder abziehen? In mir spielten Wut, Enttäuschung und absolutes Unverständnis miteinander. Am Ende zogen wir tatsächlich ab. Mit der Ansage, wir könnten in ein bis zwei Wochen wiederkommen. Ich würde telefonisch oder per E-Mail informiert, wenn das Auto inclusive Reifen wieder vor Ort wäre. Sie erklärte mir ernsthaft, das Auto würde wieder abgeholt und in der Zentrale- nicht gerade um die Ecke- würden dann die Reifen montiert und alles käme  wieder retoure und könnte dann von mir abgeholt werden. Die Absurdität des Aufwands lässt den halbwegs intelligenten Menschen mit dem Kopf schütteln, aber gut. Ist dann so, ist dann so 😈!
Zu Hause angekommen, setzte ich mich sofort ans Telefon, um meinen „Verkäufer“ zu kontaktieren. Er hatte vorab betont, ich könne mich bei Problemen jederzeit an ihn wenden. Er war natürlich nicht zu erreichen. Ein Kollege fertigte mich stattdessen mit dem Satz ab: „Stornieren Sie doch einfach die Bestellung.“ Mein Einwand, dass ich dieses Auto aber haben möchte, registrierte er nicht und verwies mich genervt auf den Kundenservice. Verbinden konnte er mich angeblich auch nicht. Also hieß es: zurück in die Warteschleife.
Doch der Kundendienst überraschte mich positiv. Nachdem wir geklärt hatten, dass mein Anruf kein Scherz war – der junge Mann am Telefon wollte mir anfangs gar nicht glauben –, rief er sofort in der Filiale vor Ort an. Einige Telefonate folgten, zwischen ihm und mir, ihm und der Filiale, wieder mit mir 😅 Er entschuldigte sich mehrfach und versicherte mir, dass dies noch nie so gehandhabt worden wäre und die junge Frau offensichtlich völlig falsch reagiert hätte. Er teilte mir aber auch mit, dass der Reifensatz laut Aussage aus der Filiale im Kofferraum liegen solle.
Ich dachte, ich werde komplett veralbert, und habe ihm das auch so gesagt. Wir hatten doch extra nachgesehen! Nach einigem Hin und Her einigten wir uns darauf, dass ich das Auto jetzt abholen könne und das Thema mit dem extra Reifensatz nachträglich geklärt wird. Mir wurden diverse faire Optionen aufgezeigt, die ich alle akzeptieren konnte.
Also bat ich meinen Sohn, sich ein zweites Mal mit mir auf den Weg zu machen. Und tatsächlich: Wir bekamen das Auto mit.
Auch bei diesem zweiten Versuch gab es vor Ort noch merkwürdige Aussagen und kleinere Verwirrungen. Leider gab es auch kein Wort der Entschuldigung oder Erklärung, sondern nur eine etwas hochnäsig-freundliche junge Dame, die sich ganz offensichtlich keines Fehlers bewusst war. 
Aber letztendlich rollte ich glücklich vom Hof.

Das Reifenthema steht aktuell noch aus. Vielleicht füge ich das finale Ergebnis irgendwann hier noch als Update an. Bis dahin gilt: Hauptsache, er fährt! Allzeit gute Fahrt an alle da draußen – und lasst euch nicht ins Bockshorn jagen, wenn bei euch auch mal alles irgendwie anders läuft!
Alles Liebe
Marion 

Sonntag, 10. Mai 2026

Neues von Floki : wir stehen jetzt spazieren!

  Hast du auch so eine „Dogmum“, die bei ihrem ersten Hund alles richtig machen möchte? Die es leider ein bisschen verlernt hat – vor lauter Videos über Hundetraining –, einfach mal im Moment zu sein, aus dem Bauch heraus zu entscheiden und das Beste aus dem Tag zu machen? Ich bin zu Beginn der Corona-Zeit bei ihr eingezogen; wenn du wissen willst, was bei uns so los ist, dann lies weiter 👀

Unsere Spaziergänge am Nachmittag sollten immer wenigstens 5 Kilometer lang sein. Zugegeben, sie hat immer schöne Runden ausgesucht: bei schlechterem Wetter über die Wiesen und am Waldrand entlang, bei Hitze erst in den Bach und dann durch den schattigen Wald. Aber es mussten für sie immer mindestens 8.000 stramme Schritte sein. Für meine Cocker-Beine bei Leinenpflicht sind das mehr als 20.000! Wenn ich dann noch frei rennen darf, mache ich fast einen Marathon.
Vor ein paar Tagen saß sie an ihrem PC – ich glaube, sie war auf Facebook unterwegs, sofern ich es von meinem Platz auf ihren Füßen aus sehen konnte. Plötzlich fing sie laut an zu lachen. Das klang ganz danach, als hätte tatsächlich wieder dieser „perfekte“ Pudel fantastische Kunststücke vorgeführt! Du weißt schon, diese Videos, in denen jede Locke sitzt, jede Pose perfekt ist und der Kerl so arrogant und selbstgefällig in die Kamera schaut, dass sich mir das Nackenfell sträubt, während er perfekte Kunststücke ausführt. Ich hab ihr mit meinem legendären Cocker-Blick tief in die Augen geschaut, um sie an die Realität zu erinnern (nämlich MICH!), aber sie hat mich nur kurz geknuddelt und auf meinen Sessel geschickt.
 
Die wahre Auflösung gab es erst ein paar Tage später. Dogmum und unsere absolute Lieblingsfreundin hatten es sich zum Frühstück gemütlich gemacht. Während die zwei es sich mit frischen Brötchen und Milchkaffee gut gehen ließen, lag ich in meiner strategisch günstigen „Krümel-Fang-Position“ unter dem Tisch. Normalerweise stelle ich meine Ohren bei Menschengesprächen auf Durchzug – es geht ja doch meistens um Dinge, die man nicht essen kann.
Doch dann fiel der Satz: „Da musste ich am PC neulich richtig laut loslachen!“ Sofort gingen meine Ohren auf Empfang.
„Ich habe endlich die Bestätigung bekommen, dass mit mir und Floki alles in Ordnung ist“, fuhr sie fort. Ich dachte mir nur: „Na, das weiß ich schon lange! Ich lese schließlich jeden Tag die Storys am Wegesrand und weiß genau, was in der Nachbarschaft so los ist.“
Aber was sie dann erzählte, veränderte unser Leben. Sie hatte ein Kurzvideo über die verschiedenen Arten von Hundespaziergängen gesehen. Und plötzlich ergab alles einen Sinn:
  1. Spazierengehen: Das war unser alter Modus. Strecke machen, stramm voran, Kilometer fressen für die Fitness-App und die Hunde-Community – der Hund muss schließlich ausgepowert werden. Sie hat schon gemerkt, dass mich das Gerenne eher gestresst hat, aber was sein muss...zieht sie durch.
  2. Spazierenstehen: MEINE Paradedisziplin! Das ist der Moment, wenn ich Minuten lang an einem einzigen Grashalm klebe und sie nicht verstehen kann, warum ich gerade von diesem Duft nicht genug bekommen kann. Dogmum dachte immer, ich trödle oder sei stur. Jetzt weiß sie: Das ist Hochleistungssport für meine Nase und mein Gehirn! Ein paar Minuten „Spazierenstehen“ machen mich viel müder und zufriedener als drei Kilometer im Stechschritt.

    3. Spazierensitzen: Einfach mal gemeinsam auf einer Bank im Wald chillen, die Vögel beobachten und die Seele (und die Schlappohren) baumeln lassen. Es darf auch mal ein Leckerli sein.
Aha! Das war also der Lacher. Es war eher ein befreiendes Lachen – ein Moment, der ihr gezeigt hat: Es ist okay, wie es bei uns läuft. Das ist ja ein Ding! Aber ich muss sagen, seitdem lässt sie mir viel mehr Zeit beim Gassi gehen und das ist echt super. Da darf sie gern einmal über uns lachen. Und ich bemühe mich wirklich sehr, mich zu benehmen, wenn es erforderlich ist. Das klappt natürlich nicht immer, aber immer öfter, und wir beide sind schon ein cooles Team.
 
 
 
 
Danke an den Facebook-Video-Macher! Du hast uns beide richtig glücklich gemacht. Wir spazieren jetzt nicht mehr nur – wir stehen, sitzen und genießen. Wir sind jetzt oft viel länger unterwegs und sie lässt auch mal die Seele baumeln. Ich kann euch sagen: Es fühlt sich so gut an, danach müde, aber glücklich auf dem Lieblingssessel zu chillen.


Ich kann nur hoffen Dogmum findet noch ein paar mehr so tolle Videos für uns Beide
Pfotenklatscher,
Euer Floki 🐾

Mittwoch, 6. Mai 2026

Kuba: von Kindheitsträumen und festem Boden unter den Füßen


Geboren und aufgewachsen in der DDR (ich sag heute meinen Kindern immer gern: „in einem Land, das es nicht mehr gibt“), im wunderschönen Eichsfeld, mit der innerdeutschen Grenze vor Augen, die für uns unüberwindbar schien, war Ernesto „Che“ 
Guevara ein Ausdruck von Freiheit und Rebellion. Geduldet von der Regierung – vermutlich, weil er ja neben Fidel Castro einer der Helden der Revolution in Kuba war –, prangte sein Abbild auf so mancher Jeansjacke der Jugend unseres „sozialistischen Vaterlandes“.

Die Bilder der Sklaven, die unter der glühenden Sonne auf Zuckerrohr- und Tabakfeldern schuften, dann die Revolution und das Leben in Freiheit, bekamen wir in der Schule förmlich mit der Milch in der Frühstückspause einverleibt. Kuba wurde für mich zu einer Vorstellung von Abenteuer, Sonne, Palmen, endlosen Stränden und blauem Meer. Bücher wie „Camilo“ von Ludwig Renn prägten mein Bild von den Bärtigen in der Sierra Maestra. Dem konnten auch die grünen und etwas strohigen Kuba-Orangen, die es im Konsum gab, keinen Abbruch tun.

Kuba war dieses Fernweh-Ziel, das unendlich weit entfernt und unerreichbar schien. Schon damals entstand dieser leise Wunsch: Das will ich irgendwann mal mit eigenen Augen sehen. Es sollten viele Jahre und eine bewegende deutsche Geschichte ins Land gehen bis ich 2016 endlich aufgebrochen bin.

Ich wollte das Kuba meiner Fantasie, und ich habe es erlebt.


Während meines Urlaubs habe ich so unendlich vieles gesehen, dass ich es jetzt – nach zehn Jahren – nicht mehr im Detail beschreiben kann. Ich habe eine Herzlichkeit erlebt, eine Dankbarkeit, ich habe die Schaukelstühle auf den Veranden vor den Häusern gesehen, die ich mir so bildhaft vorgestellt habe. Ich habe die Musiker unverkennbare kubanische Musik spielen hören, während ich in einer lauen Nacht tanzende Menschen zusah und mich im Takt der Musik bewegte. Ich bekam ein Gefühl von Herzenswärme und Melancholie gepaart mit Lebendigkeit und Lebensfreude und eine tiefe Dankbarkeit an diesem Abend in dieser Stadt zu sein und genau die Szene zu erleben, die ich bisher nur in Romanen gelesen hatte. Aber ich habe auch von den Schwierigkeiten gehört, von der Armut und von der Hoffnung. Die Aufbruchstimmung, die 2016 vielerorts zu spüren war, in eine bessere und modernere Zeit führen würde. Damals war Obama US-Präsident und es war ein Weg der Annäherung und Unterstützung eingeschlagen worden.


Ich habe die unglaubliche Aussicht in Viñales genossen, eine Tabakplantage besucht, eine Kaffeerösterei und einiges mehr. Aber eine Geschichte möchte ich diesem Post nicht vorenthalten: In einem Taxi (oder auch zweien) von Pinar del Río nach Varadero.

Die Koffer waren mit Stricken auf dem Dach festgezurrt, wir saßen zu sechst in diesem unglaublichen Fahrzeug, das man von Bildern kennt, die aber der Wahrheit oft nicht standhalten. Es war keines dieser aufpolierten Protzwagen, die man in Havanna sieht. Ich denke, die Fotos sagen genug... Wir saßen zu zweit vorn auf dem Beifahrersitz, was ein Glück war, denn durch die offenen Fenster schlug der Fahrtwind eher den hinteren Passagieren um die Ohren. Zum Glück (oder Pech) fuhr das Auto relativ langsam. Im Fußraum wurde es mit der Zeit so heiß, dass mir buchstäblich die Füße brannten. 


Der Fahrer sprach nur Kubanisch, wir kein Wort. Wir zuckelten etwa drei Stunden dahin, überholten einen Radfahrer und tatsächlich einen Eselkarren voll beladen mit Bananenblättern, der von einem alten Mann mit Strohhut gelenkt wurde. Hinter ihm saß eine Frau und wedelte den beiden mit einem Bananenblatt „kühle“ Luft zu. Ein Bild wie aus meinen alten Kinderbüchern – ein totales Klischee, aber dort immer noch Alltag und unglaublich, wenn man es nicht selbst gesehen hat.

Mitten auf der Autobahn hielt der Fahrer plötzlich an, fuchtelte mit den Armen, holte unsere Koffer vom Dach und sagte etwas, das ich nicht verstand. Dann zeigte er auf sich, sagte: „Havanna“ – und das mehrfach. Ein Ehepaar stieg wieder ein und er fuhr davon. Wir übrigen Fahrgäste standen etwas konfus am Straßenrand, auf der Autobahn mitten im Nirgendwo, und schauten uns ratlos an.

Tatsächlich kam kaum einen Augenblick später ein weiteres Taxi von noch schlimmerem Zustand mit bereits drei Fahrgästen. Es hielt an, schnallte unsere Koffer wieder aufs Dach, ließ uns einsteigen und fuhr weiter.


Dieser Fahrer konnte immerhin ein wenig Englisch und erklärte uns: Das andere Taxi fährt nur nach Havanna, und er bringt uns nun nach Varadero. Die weitere Fahrt dauerte ebenfalls noch mal vier Stunden. Man musste sich einstellen auf die Hitze, die Enge und das Brummen und Scheppern des alten Mobils – dann wurde es zu einem unvergessenen Erlebnis. Ein Gefühl, zurückversetzt in eine andere Zeit, mit der Sonne, dem heißen Fahrtwind, den schwitzenden Menschen. Aber wir hatten unser Schicksal angenommen, und niemand klagte oder nörgelte. Es war ein nicht zu beschreibendes, ursprüngliches Gefühl. Das ist Kuba: Nichts läuft nach Plan, aber irgendwie kamen wir nach ungefähr acht Stunden hungrig, verschwitzt und total erledigt an.

Dort am Straßenrand, zwischen Staub und gleißender Sonne, verstand ich es endlich: Das Kuba meiner Kindheitsträume gab es so nie – und doch war ich genau am richtigen Ort. Die Freiheit, die „Che“ auf den Jeansjacken versprach, fand ich nicht in politischen Idealen, sondern in der Improvisation und der unglaublichen Herzlichkeit der Menschen, die aus dem Nichts immer noch einen Weg machen.

Als wir schließlich in Varadero einrollten, vorbei an den prächtigen Fassaden und den glänzenden Oldtimern, dachte ich an Camilo und die Bärtigen aus der Sierra Maestra. Kuba ist heute ein Land der Risse – in den Mauern, in der Wirtschaft und in den Biografien. Aber zwischen den Eselkarren auf der Autobahn und der Hoffnung der Menschen in den Casas Particulares fand ich das, was kein Schulbuch vermitteln konnte: Menschen jeden Alters, die sich weigerten, trotz aller Widrigkeiten ihren Stolz und ihr Lächeln zu verlieren.

Es folgten ein paar entspannte Tage an diesem wundervollen Strand, mit manch einer Piña Colada 


Am Ende dieser Geschichte angekommen, die beim Schreiben so lebendige Bilder in mir hervorgerufen hat, muss ich mir eingestehen: Während die schönen Erinnerungen in mir sicher verwahrt sind, habe ich in den letzten zehn Jahren kaum verfolgt, was aus der Aufbruchstimmung, vor allem der jungen Menschen, aus 2016 – dem Jahr, in dem die Rolling Stones in Havanna spielten – geworden ist.

 

Die heutige Realität im Mai 2026 ist ernüchternd. Nachrichten sprechen von einer massiven Treibstoffkrise, diplomatischen Sackgassen und einem Tourismus, der fast zum Erliegen gekommen ist. Die Aufbruchstimmung von 2016 scheint in weite Ferne gerückt.

‚Wie es wohl den Menschen geht, die ich damals so voller Hoffnung und Herzlichkeit kennengelernt habe?‘, denke ich und möchte damit meine Geschichte beenden.

Alles Liebe,
Eure Marion


Wenn aus einer Geschichte ein Buch wird

Es gibt Augenblicke im Leben, die kann man auch Tage später noch nicht richtig begreifen. So geht es mir gerade. Im April habe ich diesen B...